In Weimar fand mit „Generation J“ eine trilaterale Jugendbegegnung statt, die junge Menschen aus Frankreich, Deutschland und Polen über Sprache, Kultur und Erinnerung miteinander verband. Rund 35 Teilnehmende im Alter von 18 bis 30 Jahren kamen in der Other Music Academy in Weimar zusammen, um die jiddische Sprache und Kultur intensiv kennenzulernen.

Zuvor hatte die Gruppe die Maison de la culture yiddish in Paris besucht, die die größte jiddische Bibliothek in Europa beherbergt. In Weimar wurde das Programm nun fortgeführt – als Ort des Lernens, der Begegnung und der gemeinsamen künstlerischen Arbeit.

Jiddisch wurde dabei nicht nur als Sprache verstanden, sondern als Zugang zu einer gemeinsamen europäischen Geschichte. Die über tausend Jahre alte Sprache, die einst von 10–12 Millionen Menschen gesprochen wurde, war in weiten Teilen Europas verbreitet und verbindet mittelhochdeutsche, hebräische, aramäische und slawische Einflüsse. Durch den Holocaust wurde sie beinahe zum Schweigen gebracht. Umso wichtiger ist es, dass junge Menschen heute neue Zugänge zu ihr finden und sie als lebendigen Teil europäischer Kultur begreifen.

Im Mittelpunkt der Begegnung standen Workshops zu Sprache, Musik, Tanz, Theater, kreativem Schreiben, Malerei und Puppenspiel. Die Teilnehmenden setzten sich sowohl mit der Erinnerung an die Shoah als auch mit der Zukunft jiddischer, und damit jüdischer Kultur in Europa auseinander. Besonders eindrucksvoll war dabei die Erfahrung von Gemeinschaft: Über zwei Wochen entstand eine intensive Atmosphäre des Austauschs, in der Lernen, künstlerisches Arbeiten und persönliche Begegnungen miteinander verbunden wurden.

Der Weimarer Dreieck Bezug liegt auf der Hand: Junge Menschen aus Deutschland, Frankreich und Polen beschäftigen sich mit einem gemeinsamen kulturellen Erbe, das alle drei Länder berührt. Jiddisch steht dabei sinnbildlich für die Verflechtung europäischer Geschichte — in Deutschland verwurzelt, in Polen zu großer Blüte gelangt und heute unter anderem in Paris wieder aktiv gelebt.

„Generation J“ zeigt damit beispielhaft, wie Jugend, Kultur, Erinnerung und europäische Verständigung zusammenwirken können. Das Projekt fügt sich hervorragend in den Bereich Jugend des 12-Säulen-Netzwerks des Weimarer Dreiecks ein und macht sichtbar, wie junge Menschen Verantwortung für Erinnerung übernehmen und zugleich neue Formen europäischer Zukunft gestalten.

Weitere Informationen: www.generationj.eu