12-Säulen-Netzwerk des Weimarer Dreiecks
Eine europäische Modellregion für Vernetzung, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt
Im Zentrum steht eine der zentralen Fragen europäischer Zusammenarbeit:
Wie kann es gelingen, drei Länder mit rund 188,6 Millionen Menschen – geprägt von unterschiedlichen historischen Erfahrungen, politischen Kulturen und gesellschaftlichen Strukturen – nachhaltig, gleichberechtigt und wirkungsvoll miteinander zu vernetzen?
Diese Frage ist aktueller denn je. Denn die Herausforderungen unserer Zeit überschreiten nationale Grenzen – und verlangen nach neuen Formen der Zusammenarbeit, die Vielfalt nicht überwinden, sondern produktiv machen.
Das Weimarer Dreieck bietet hierfür einen einzigartigen Ausgangspunkt. Es vereint drei zentrale Länder Europas, deren Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Chance für Verständigung, gemeinsames Lernen und zukunftsorientierte Zusammenarbeit verstanden werden können. Gleichzeitig zeigt die bisherige Entwicklung, dass dieses Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft ist: Es fehlt an verbindenden Strukturen, an Sichtbarkeit und an einer systematischen Vernetzung der zahlreichen Akteurinnen und Akteure aus Politik und Zivilgesellschaft.
Vor diesem Hintergrund entwickelt der Weimarer Dreieck e.V. das 12-Säulen-Netzwerk des Weimarer Dreiecks. Es bildet den Kern der Vereinsarbeit und zugleich ein zentrales Alleinstellungsmerkmal. Die zwölf Säulen – Europa, Nationen, Regionen, Kommunen, Stiftungen, Vereine, Jugend, Initiativen, Wirtschaft, Erinnerung, Wissenschaft sowie Kunst und Kultur – bündeln die wesentlichen gesellschaftlichen Bereiche, in denen das Weimarer Dreieck bereits heute gelebt wird.
Die Konzeption folgt drei Leitfragen: Wer? Was? Wo?
Wer sind die Akteurinnen und Akteure des Weimarer Dreiecks?
Was leisten sie bereits, welche Kompetenzen, Erfahrungen und Projekte bringen sie ein?
Und wo kann ihre Zusammenarbeit sichtbar, dauerhaft und wirksam gebündelt werden?
Ein zentraler Grundsatz des Netzwerks ist der gleiche Zugang für alle gesellschaftlichen Gruppen. Das Modell ist bewusst offen angelegt und basiert auf dem Prinzip der Gleichwertigkeit: Alle Bereiche sind gleich wichtig, alle Beiträge zählen, und jede Stimme hat das gleiche Gewicht. Damit wird das Weimarer Dreieck zu einem Raum gelebter Demokratie, in dem Teilhabe, Mitgestaltung und gemeinsame Verantwortung konkret erfahrbar werden.
Im Zentrum der Netzwerkarbeit steht der Weimarer Dreieck e.V. als koordinierende Plattform. Mit dem Runden Tisch des Weimarer Dreiecks, der erstmals am 28. August 2025 in Weimar stattfand, wurde ein Format geschaffen, in dem Vertreterinnen und Vertreter aller zwölf Bereiche zusammenkommen, Erfahrungen austauschen und gemeinsame Projekte entwickeln. Hier entstehen Synergien und neue Kooperationen, die die Zusammenarbeit im Weimarer Dreieck nachhaltig stärken.
Die logische Weiterentwicklung dieser Struktur ist das Weimarer-Dreieck-Haus. Es ist als zukünftiger zentraler Ort der Begegnung, Zusammenarbeit und Sichtbarkeit konzipiert. Als physischer und symbolischer Raum verbindet es Netzwerk, Projekte und Öffentlichkeit und schafft einen dauerhaften Ankerpunkt für die europäische Zusammenarbeit.
Ziel der Konzeption ist es, das Weimarer Dreieck als europäische Modellregion für Vernetzung und Verständigung weiterzuentwickeln. In dieser Modellregion arbeiten Partnerinnen und Partner aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und sozialen Kontexten gleichberechtigt zusammen. Auf dieser Grundlage entsteht eine neue europäische Identität, die auf gemeinsamen Werten, gegenseitigem Verständnis und aktiver Teilhabe basiert.
Diese Identität ist nicht auf das Weimarer Dreieck beschränkt. Das Modell ist übertragbar auf andere Regionen und Länder der Europäischen Union und kann als Beispiel dafür dienen, wie europäische Zusammenarbeit konkret gestaltet, strukturiert und demokratisch verankert werden kann.
Ein weiterer zentraler Baustein ist die Perspektive einer SCE – Societas Cooperativa Europaea, also einer europäischen Genossenschaft für grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Sie verbindet die Partnervereine in Deutschland, Frankreich und Polen – den Weimarer Dreieck e.V., den Verein „Triangle de Weimar“ in Paris sowie das Stowarzyszenie Trójkąt Weimarski in Warschau – und integriert zugleich das gesamte 12-Säulen-Netzwerk in eine gemeinsame europäische Struktur.
Die Idee einer solchen europäischen Kulturgenossenschaft wurde von Dieter Hackmann erstmals am 23. September 2021 im Rahmen seines Vortrags an der Université Paul-Valéry Montpellier vorgestellt. Dort formulierte er den Grundgedanken, dass das Weimarer Dreieck nicht national, sondern europäisch organisiert werden muss. Diese Überlegungen wurden später wissenschaftlich ausgearbeitet und veröffentlicht und bilden einen zentralen Impuls für die Weiterentwicklung des Weimarer Dreiecks.
Der Sitz der SCE ist perspektivisch im Weimarer-Dreieck-Haus vorgesehen, das als organisatorisches und räumliches Zentrum der europäischen Netzwerkgesellschaft fungieren soll.
Das Weimarer Dreieck wird damit zu einem Labor für Europa: einem Raum, in dem erprobt wird, wie Vertrauen entsteht, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt wird und wie demokratische Strukturen in Zeiten globaler Krisen resilient gestaltet werden können.
Das 12-Säulen-Netzwerk, der Runde Tisch, das Weimarer-Dreieck-Haus und die SCE sind dabei keine Einzelprojekte, sondern Teile einer gemeinsamen Vision: einer offenen, inklusiven und handlungsfähigen europäischen Netzwerkgesellschaft.
