Historische Gründungs-
geschichte
Das Weimarer Dreieck (französisch Triangle de Weimar, polnisch Trójkąt Weimarski) ist weit mehr als ein diplomatisches Konsultationsforum. Es dient als Plattform, auf der die drei Länder regelmäßig Positionen abstimmen, gemeinsame Initiativen entwickeln und ihre Zusammenarbeit in europäischen und internationalen Fragen vertiefen. Gegründet am 28./29. August 1991 in Weimar von den Außenministern Hans-Dietrich Genscher (Deutschland), Roland Dumas (Frankreich) und Krzysztof Skubiszewski (Polen), steht es für eine trilaterale Partnerschaft, die auf den Erfahrungen der deutsch-französischen Aussöhnung aufbaut und diese auf die deutsch-polnischen Beziehungen ausweitet. In ihrer zehn Punkte umfassenden „Gemeinsamen Erklärung zur Zukunft Europas“ betonten die Gründer die gemeinsame Verantwortung der drei Länder für ein friedliches, integriertes Europa – ein Signal der Hoffnung in einer Zeit des Umbruchs. Die Erklärung besteht aus 10 folgenden Punkten:
1. Europa steht an einem historischen Wendepunkt seiner Geschichte. Seine Völker und Staaten haben den Weg zu neuen Formen des Zusammenlebens beschritten. Wir sind uns bewußt, daß für das Gelingen zukunftsfähiger Strukturen europäischer Nachbarschaft Polen, Deutsche und Franzosen maßgebliche Verantwortung tragen.
2. Wir haben jetzt die einmalige Chance, das neue Europa in gemeinsamer Verantwortung im Geist menschlicher Solidarität, im Bewußtsein der Schicksalsverbundenheit und auf der ererbten Grundlage gemeinsamer Werte zu entwickeln. Der natürliche Wunsch aller Völker, Demokratie, Wohlstand und Sicherheit zu verwirklichen, kann auf Dauer nur durch vereinte Kräfte des ganzen Europa Erfüllung finden.
3. Es gilt jetzt, die Netze der Kooperation immer dichter zu knüpfen, die die Völker und Staaten über einst trennende Grenzen hinweg auf allen Ebenen und in der ganzen Breite des Lebens miteinander verbinden. Wir brauchen eine Vielfalt von Beziehungen in Europa und zwischen seinen Regionen. Insbesondere durch grenzüberschreitende regionale Zusammenarbeit wird das Zusammenwachsen Europas für die Bürger erfahrbar. Sie ist zwischen Deutschland und Frankreich selbstverständlich geworden, an der Grenze zwischen Deutschland und Polen ist sie ein Schlüssel für die künftige Gemeinsamkeit der Staaten und ihrer Bürger. Es werden immer mehr gesamteuropäische konföderale Strukturen entstehen.
4. Die Stärke des neuen Europa liegt in der vielfältigen Vitalität seiner Institutionen. Die Europäische Gemeinschaft ist ihr Kern. Sie muß ihre Integration fortsetzen. Als Garant für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gewinnt der Europarat weiterhin an Bedeutung. Wir verstehen Stabilität in Europa in einem umfassenden Sinn, einschließlich politischer, sicherheitspolitischer, wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Aspekte. Jede der in diesen Bereichen tätigen Organisationen trägt auch für diese Stabilität einen Teil der Verantwortung.
5. Nordatlantische Allianz und WEU werden auch in Zukunft eine wichtige Rolle für die Stabilität in Europa spielen. Für die Sicherheit Europas wird auch zukünftig die transatlantische Dimension, das heißt die enge Zusammenarbeit mit den USA und Kanada, unerläßlich sein.
6. Polen, Deutsche und Franzosen haben gemeinsam mit ihren Partnern im KSZE-Prozeß das große Grundwerk der „Charta von Paris“ geschaffen. Aufdieser Basis soll sich die europäische Friedensordnung entwickeln. In diesem Zusammenhang sind die politischen Verträge, die unsere Staaten untereinander abgeschlossen haben, von besonderer Bedeutung. Hierunter fallen insbesondere die Verträge, die Polen in jüngster Zeit mit Frankreich (Vertrag über Freundschaft und Solidarität vom 9. April 1991) und mit Deutschland (Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991) unterzeichnet hat.
7. Den Reformländern in Mittel- und Osteuropa, einschließlich der Sowjetunion, muß umfassend geholfen werden. Europa darf nicht durch neue Grenzen zwischen Arm und Reich zerschnitten werden. Frankreich und Deutschland unterstützen alle Anstrengungen, Polen und die neuen Demokratien an die Europäische Gemeinschaft heranzuführen. Sie drängen auf einen raschen Abschluß von Assoziierungsabkommen mit den Demokratien Mittel- und Südosteuropas und fördern den Ausbau des politischen Dialogs. Es entspricht den Zielen der Europäischen Gemeinschaft, diesen neuen Demokratien den Weg zur Mitgliedschaft zu eröffnen.
8. Die Herausforderungen des Industriezeitalters verlangen Antworten, die im europäischen Raum nur gemeinsam zu finden sind. In einem gemeinsamen Wirtschaftsraum Europa wollen wir vielfältige Zusammenarbeit. Es gilt, gemeinsam konkrete und nützliche Projekte anzufassen, die den Meschen unmittelbar zugutekommen. Dies schließt die Bereiche der Umwelt, der Technologie, der Infrastruktur, der Kommunikation, der Energie und der Kultur ein, in denen sich für die Zukunft Europas wichtige Entwicklungen vollziehen, die ein Handeln in europäischen Dimensionen erfordern.
9. In gemeinsamer Anstrengung müssen wir alles tun, um menschenwürdige Existenz da zu schaffen, wo die Menschen leben. Nur so können wir ihnen das Schicksal der Flucht und der Wanderbewegungen in und nach Europa ersparen.
10. Heute, am Geburtstag Goethes, wird uns hier in Weimar in bohem Maße bewußt, daß die kulturelle Vielfalt Europas und die Kreativität seiner Menschen unser wertvollstes Gemeingut sind. Das kulturelle Leben und das Wohlergehen der Völker Europas sind eng miteinander verknüpft. Die Pflege des reichen europäischen Kulturerbes ist unser gemeinsames Ziel. Das KSZE-Symposium in Krakau hat hierzu wichtige Grundlagen erarbeitet. Wir wollen eine umfassende Politik der Zusammenarbeit in den Bereichen der Kultur, der Bildung, der Wissenschaft, der Medien und der Austauschprogramme. Es bleibt unser Bestreben, menschliche Begegnungen über Länder und Sprachgrenzen hinweg, wo immer möglich, zu fördern.
Quelle: https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/europa/zusammenarbeit-staaten/199100-199100
Historische Gründungsgeschichte
Die Wurzeln reichen weit zurück in die Nachkriegszeit.
- 22.01.1963 Élysée-Vertrag Charles de Gaulle und Konrad Adenauer unterzeichnen den Élysée-Vertrag und legen den Grundstein der deutsch-französischen Freundschaft.
- 18.11.1965 Hirtenbrief der polnischen Bischöfe Die polnischen Bischöfe schreiben an ihre deutschen Amtsbrüder: „Wir vergeben und bitten um Vergebung.“ Ein Meilenstein der Versöhnung.
- 07.12.1970 Kniefall von Warschau Bundeskanzler Willy Brandt kniet vor dem Denkmal des Warschauer Ghettos. Ein weltweites Symbol der Demut, Verantwortung und Versöhnung.
- 1980 Solidarność-Bewegung Mit der unabhängigen Gewerkschaft Solidarność beginnt in Polen eine demokratische Freiheitsbewegung, die das Ende des Kommunismus einleitet.
- 22.09.1984 Verdun – Kohl und Mitterrand Helmut Kohl und François Mitterrand reichen sich in Verdun die Hände. Ein starkes Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung.
- 24.08.1989 Tadeusz Mazowiecki wird Premierminister Tadeusz Mazowiecki wird erster frei gewählter, nicht-kommunistischer Premierminister im Ostblock nach dem Zweiten Weltkrieg.
- 09.11.1989 Fall der Berliner Mauer Der Mauerfall markiert das Ende der Teilung Deutschlands und den Beginn einer neuen europäischen Ordnung.
- 12.11.1989 Versöhnungsmesse in Kreisau Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki umarmen sich in Kreisau (Krzyżowa). Ein bewegendes Bild der Versöhnung und des Willens zur Zusammenarbeit.
- 12.09.1990 Zwei-plus-Vier-Vertrag Die Außenminister der UdSSR, USA, Großbritanniens, Frankreichs, der Bundesrepublik und der DDR unterzeichnen in Moskau den Zwei-plus-Vier-Vertrag.
- 03.10.1990 Deutsche Wiedervereinigung Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland wird die deutsche Einheit vollzogen.
- 20.06.1991 Hauptstadtbeschluss Der Deutsche Bundestag beschließt, Berlin wieder zum Sitz von Parlament und Regierung zu machen.
- 29.08.1991 Gründung des Weimarer Dreiecks Genscher, Dumas und Skubiszewski gründen in Weimar das Weimarer Dreieck und betonen die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft Europas.
- 21.09.1993 Danzig Treffen der Präsidenten François Mitterrand, Lech Wałęsa und Richard von Weizsäcker.
- 21.02.1998 Posen (Poznań) Treffen von Jacques Chirac, Aleksander Kwaśniewski und Helmut Kohl.
- 12.03.1999 NATO-Beitritt Polens Polen tritt gemeinsam mit Tschechien und Ungarn der NATO bei.
- 07.05.1999 Nancy Treffen von Gerhard Schröder, Jacques Chirac und Aleksander Kwaśniewski.
- 27.02.2001 Hambach (Pfalz) Treffen von Gerhard Schröder, Jacques Chirac und Aleksander Kwaśniewski.
- 09.05.2003 Breslau (Wrocław) Treffen der Staats- und Regierungschefs zur Zukunft Europas kurz vor der EU-Erweiterung.
- 01.05.2004 EU-Beitritt Polens Polen tritt gemeinsam mit acht weiteren Ländern der Europäischen Union bei.
- 19.05.2005 Nancy Erneutes Gipfeltreffen von Gerhard Schröder, Jacques Chirac und Aleksander Kwaśniewski.
- 03.07.2006 Abgesagtes Treffen in Weimar Der geplante Gipfel des Weimarer Dreiecks in Weimar wird kurzfristig abgesagt.
- 05.12.2006 Mettlach (Saarland) Treffen von Angela Merkel, Jacques Chirac und Lech Kaczyński. Eigentlich sollte das Treffen in Weimar stattfinden.
- 07.02.2011 Warschau Treffen von Bronisław Komorowski, Nicolas Sarkozy und Angela Merkel.
