30 Studierende aus Frankreich, Deutschland und Polen präsentieren beim Studierendenforum „Europas Zukunft gestalten – gesellschaftlich, kulturell, digital“ ihre Projektergebnisse an der TU Darmstadt – Fortsetzung 2027 in Warschau
Warum wird dieselbe Technologie – die Kernenergie – in Frankreich, Deutschland und Polen so unterschiedlich bewertet? Beeinflusst die Sprache, in der wir eine Künstliche Intelligenz befragen, auch die Qualität ihrer Antworten? Und welchen Einfluss können KI-generierte Desinformation und algorithmisch ausgewählte Informationen auf Entscheidungen von Wählerinnen und Wählern haben?
Mit diesen und weiteren aktuellen europäischen Zukunftsfragen beschäftigten sich rund 30 Studierende aus Frankreich, Deutschland und Polen beim Studierendenforum „Europas Zukunft gestalten – gesellschaftlich, kulturell, digital“, das vom 20. bis 26. September 2026 in Darmstadt stattfand.
Das von den drei Vereinen Weimarer Dreieck e. V., Association Triangle de Weimar und Stowarzyszenie Trójkąt Weimarski gemeinsam mit dem Sprachenzentrum der Technischen Universität Darmstadt durchgeführte Projekt brachte junge Menschen aus den drei Ländern zusammen, um gesellschaftliche, kulturelle, wissenschaftliche und digitale Fragestellungen aus unterschiedlichen nationalen Perspektiven zu untersuchen. Zu den beteiligten Hochschulpartnern gehörte auf französischer Seite die ISEP – École d’ingénieurs du numérique in Paris.
Am Freitag, 25. September, präsentierten die Studierenden an der TU Darmstadt die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Arbeit. Als junge Botschafterinnen und Botschafter des Weimarer Dreiecks hatten sie in trinational zusammengesetzten Gruppen recherchiert, diskutiert und ihre Ergebnisse auf insgesamt acht wissenschaftlichen Postern zusammengeführt.
Die Bandbreite reichte von der unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Wahrnehmung der Kernenergie in Frankreich, Deutschland und Polen über Videospiele als kulturelles Medium und den Schutz des kulturellen Erbes europäischer Grenzregionen bis zu Frauen in Wissenschaft und Hochschulen und aktuellen Fragen rund um Künstliche Intelligenz. Untersucht wurden unter anderem die ressourceneffiziente Spezialisierung lokaler Sprachmodelle zur Erkennung von Sicherheitslücken, der Einfluss von Sprache und Kultur auf das Schlussfolgern von KI-Systemen sowie KI-generierte Desinformation und algorithmische Informationsauswahl in Wahlkämpfen.
Gerade der Vergleich der drei Länder eröffnete unterschiedliche Perspektiven auf gemeinsame Herausforderungen. So untersuchte eine Gruppe, warum Kernenergie in Frankreich, Deutschland und Polen trotz derselben technologischen Grundlage gesellschaftlich und politisch unterschiedlich bewertet wird. Eine weitere analysierte anhand konkreter Fallbeispiele Mechanismen digitaler Desinformation, Microtargeting und KI-generierter Inhalte.
Fachlich begleitet wurde die Arbeit der Studierenden von Expertinnen und Experten. Zu ihnen gehörte Dr. Ewa Łabno-Falęcka, die als Expertin und Workshopleiterin ihre wissenschaftliche und interkulturelle Erfahrung in das Forum einbrachte. In den Workshops entwickelten die Studierenden ihre Fragestellungen weiter, führten unterschiedliche Perspektiven der drei Länder zusammen und bereiteten ihre Ergebnisse für die gemeinsame Präsentation auf.
Europa aus der Perspektive der Studierenden
Wie intensiv die Begegnung über die wissenschaftliche Arbeit hinaus wirkte, zeigen die Rückmeldungen der Teilnehmenden. Cornelius (22) aus Deutschland hebt insbesondere den deutsch-polnischen Austausch hervor: „Es gibt meiner Meinung nach zu wenig Austausch zwischen Deutschland und Polen in diesem Bereich und ich habe sehr viel Neues gelernt diese Woche.“
Für Orlando (25) ging die Erfahrung über seine Erwartungen hinaus. Besonders die Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit und ihrem Verhältnis zu Kultur sowie die gemeinsame Posterarbeit hätten ihm neue Perspektiven eröffnet und eigene Vorannahmen infrage gestellt.
Mehrere französische Studierende waren bereits beim ersten Teil der Projektfolge 2025 in Paris dabei. Antoine (22) empfand das Darmstädter Format insbesondere auf interkultureller Ebene als Weiterentwicklung. Die gemeinsame Erarbeitung eines wissenschaftlichen Posters in kurzer Zeit sei anspruchsvoll gewesen; zugleich hätten die Aktivitäten dazu beigetragen, die anderen Teilnehmenden und ihre Kulturen besser kennenzulernen. Sein Blick richtet sich bereits auf die nächste Begegnung: „Hâte de vous retrouver en Pologne l’année prochaine.“ – „Ich freue mich darauf, euch nächstes Jahr in Polen wiederzusehen.“
Auch Quentin (20) betont, dass über den interkulturellen Austausch hinaus echte Freundschaften entstanden seien. Die gemeinsame Posterarbeit habe ihm zugleich gezeigt, welche Herausforderungen und Chancen die Zusammenarbeit in einem multinationalen Team mit sich bringt.
Die Teilnehmenden gaben auch konkrete Anregungen für die Fortsetzung: Mehr Exkursionen und Freiräume sowie teilweise anspruchsvollere Sprach- und Arbeitsangebote gehören zu den Wünschen für die nächste Projektetappe. Diese Erfahrungen sollen in die Vorbereitung für 2027 einfließen.
Drei Länder – ein gemeinsames Netzwerk
An der Abschlusspräsentation nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter der Vorstände der Weimarer-Dreieck-Vereine aus Frankreich, Deutschland und Polen teil. Damit kamen in Darmstadt die junge Generation, Hochschulpartner und die zivilgesellschaftlichen Strukturen des Weimarer Dreiecks aus allen drei Ländern zusammen.
Eine besondere Anerkennung erhielten Dr. Barbara Stolarczyk, Christoph Merkelbach, Katrin Köppl und Cornelia Personne vom Sprachenzentrum der TU Darmstadt. Für ihr außerordentliches Engagement als Projektpartner sowie die fachliche und organisatorische Begleitung des Studierendenforums wurden sie mit der Ehrennadel des Weimarer Dreieck e. V. ausgezeichnet.
Das Sprachenzentrum der TU Darmstadt schuf gemeinsam mit den drei Weimarer-Dreieck-Vereinen den fachlichen und organisatorischen Rahmen, in dem wissenschaftliche Arbeit, Mehrsprachigkeit und europäische Begegnung miteinander verbunden werden konnten.
Dank an Förderer und Unterstützer
Das Studierendenforum wurde durch das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW), die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen sowie die Sparkasse Darmstadt und Dieburg unterstützt.
Die drei Weimarer-Dreieck-Vereine danken den Förderern und allen beteiligten Partnern, die die trilaterale Begegnung und die gemeinsame wissenschaftliche Arbeit der Studierenden ermöglicht haben.
Ein besonderer Dank gilt zudem Klaus Peter Schellhaas, Landrat des Landkreises Darmstadt-Dieburg, für die Unterstützung des Projekts und des trilateralen Austauschs junger Menschen aus Frankreich, Deutschland und Polen.
Paris – Darmstadt – Warschau
Das Studierendenforum in Darmstadt ist Teil einer längerfristigen trilateralen Projektfolge. Den Auftakt bildete Paris 2025, 2026 folgte Darmstadt. Im September 2027 wird die Zusammenarbeit in Warschau fortgesetzt.
Damit wächst über die einzelnen Begegnungen hinaus ein Netzwerk junger Menschen aus Frankreich, Deutschland und Polen. Als Botschafterinnen und Botschafter des Weimarer Dreiecks tragen die Studierenden ihre Erfahrungen, Kontakte und die Idee der trilateralen Zusammenarbeit an ihre Hochschulen, in ihre persönlichen Netzwerke und in die Gesellschaft weiter.
Paris 2025 – Darmstadt 2026 – Warschau 2027: Drei Stationen, drei Länder und eine gemeinsame Idee – jungen Menschen einen Raum zu geben, in dem sie das Weimarer Dreieck mit eigenen Themen, Perspektiven und Ideen weiterentwickeln.





