Aktivitäten 2017

Wir trauern um Anne Aquenin


Vor wenigen Tagen verstarb in Paris im Alter von 95 Jahren die bildende Künstlerin, Designerin und Holocaust-Überlebende Anne Aquenin.  Die letzten Lebensjahre verbrachte sie in einem Seniorenheim, wo sie liebevoll von Pflegekräften und ihrer Familie betreut worden war. An diesem Ort hat sie noch vor wenigen Monaten ein letztes Interview gegeben über ihre Zeit im Holocaust und das Leben danach.


Als polnische Jüdin wuchs sie als Kind von Intellektuellen auf und besuchte eine katholische Schule in Warschau. Die Kindheit hätte für sie und die kleine Schwester Betty unbeschwert sein können, doch es kam der Tag, an dem die Familie in das Warschauer Ghetto übersiedeln musste. „Ich hatte eine erschrockene Seele mit 17 Jahren.“ wird sie später mit traurigem Blick sagen.  


Am 3. Mai 1943 kam sie mit ihrer Mutter nach Majdanek. Beide Frauen wurden getrennt, die Mutter sofort vergast.  Betty war zuvor im Ghetto vor Hunger und Kälte gestorben. „Jeder stirbt allein. Aber jüdische Kinder sind so alleine gestorben. Sie sind noch so viel einsamer gestorben als andere.“  


Anne Aquenin überlebte nur knapp dieses Lager und andere Stationen, die folgen sollten. Sie wurde schließlich im Leipziger Unternehmen HASAG als Zwangsarbeiterin eingeteilt, um riesige Maschinenschrauben in große heiße Ölbottiche zu tunken.  Jahrelang litt sie später unter Ekzemen.


„Ich glaube, es ist sehr wichtig, das man sich erinnert und dass man das Wissen über die furchtbaren Zeit nicht vergißt und dass man sich auch fragt, wie ein Land, so gebildet und zivilisiert wie Deutschland, diese Verbrechen begehen konnte.“


Wir verneigen uns vor Anne Aquenin.

Fête de la Musique 2017 in Gera mit Weimarer Dreieck-Musikprojekt
 

Zur Fête de la Musique  2017 in Gera wurde innerhalb der " Interkulturellen Musikmeile" ein besonderer Fokus auf die Vertiefung der deutsch-französisch-polnischen Freundschaft im Rahmen des "Weimarer Dreieck" gelegt. Deshalb haben wir in diesem Jahr eine französische ("Les Jazzticots"), polnische ("Kinga Glyk") und deutsche Jazzband ("viertelnach7") eingeladen. Eine österreichische Band ("Deep White") verstärkte den Auftritt der europäischen Bands. Mit diesem Projekt "Jazzcontest im Rahmen des Weimarer Dreiecks zur Fête de la Musique" hatten wir uns bei dem Ideenwettbewerb "On y va - Auf geht´s - Let´s go"  des Deutsch-Französischen Institutes Ludwigsburg/Robert Bosch Stiftung beworben. Unter 29 Wettbewerbern kamen wir bei der internationalen Online-Abstimmung unter die ersten sieben, die mit je 5.000 € gefördert wurden. Dank dieser Förderung konnten wir das Projekt erfolgreich realisieren.
Alle vier Bands waren der Höhepunkt auf der Hauptbühne auf dem Markt. Die französische Band eröffnete die Fête de la Musique um 15.00 Uhr. Die Franzosen waren bereits 2016 zu Gast und uns verbindet inzwischen auch eine innige Freundschaft mit ihnen. Am Ende des Programms um 21.00 Uhr fand ein gemeinsamer Auftritt aller Bands mit einem hinreißenden Jazz-Medley statt.
Natürlich gab es auch fachliche Gespräche und weitere kulturelle Begegnungen mit unseren polnischen und französischen Freunden. Dazu hatten wir eine polnische Muttersprachlerin engagiert, die einen problemlosen Gesprächsaustausch ermöglicht hat. Mit unseren französischen Freunden haben wir keine Sprachbarrieren.
Weitere Informationen gehen aus dem beigefügten  Programm-Flyer der "Fête" ergänzt von einigen Fotos hervor. Sie zeigen die Eröffnung des wieder erfolgreichen Festes mit der Oberbürgermeisterin Frau Dr. Hahn, dem Mitglied des Weimarer Dreieck e.V. Frau Sawadogo und meiner Person sowie die französische, polnische und deutsche Jazzband. Frau Sawadogo hielt in Vertretung für den Vorsitzenden des Weimarer Dreieck Vereins, Herrn Dieter Hackmann, das Grußwort.

 

Lothar Hoffmann
Verein "Musik für Gera e. V."
Fête de la Musique Gera
www.musiquegera.de

 

Flyer
Faltflyer_fete de la music_2017.pdf
PDF-Dokument [3.8 MB]
Grußwort
GWFête de la musique.pdf
PDF-Dokument [188.5 KB]

Fotos / Beate Richter

Zusammenarbeit im Weimarer Dreieck – Grundlage für die europäische Bürgergesellschaft

 

Das 6. Multiplikatorentreffen des Weimarer Dreieck e.V. fand am 8. Mai erstmals in Berlin in der Vertretung des Freistaats Thüringen beim Bund statt.
In seinem Grußwort hob der Vereinsvorsitzende Dieter Hackmann hervor, dass es gerade jetzt wichtig ist wahrzunehmen, was viele Menschen auf zivilgesellschaftlicher Ebene längst überzeugend leben und durch  Kooperationen und Projekte ein freundschaftliches Miteinander unter Beweis stellen.


Das Weimarer Dreieck-Treffen fand im Rahmen der Europawoche, und unmittelbar am Tag nach der entscheidenden Stichwahl um die französische Präsidentschaft, statt, so dass sich eine Debatte der aktuellen politischen Herausforderungen an die am Weimarer Dreieck beteiligten drei EU – Mitgliedstaaten und eine besondere Rolle des Weimarer Dreiecks anbot.


In einer spannenden Diskussion, die von unserem WD-Gründungsmitglied, Frau MDgtin a.D. Kalbfleisch-Kottsieper moderiert wurde, kam es zu einem intensiven und durchaus auch kontroversen Austausch zu Fragen, die sich aus dem Wahlergebnis in Frankreich, aber auch aus der derzeit angespannten Beziehung zwischen Polen und der EU sowie dem Brexit ergaben. Es war eine große Freude, den bekannten Politikwissenschaftler und deutsch-französischen Publizisten Prof. Alfred Grosser in dieser Diskussion in seiner unverwechselbaren Art erleben zu können. Sein umfassendes Wissen über die europäischen Entwicklungen und Zusammenhänge, seine Lust auch auf kritische Anmerkungen gaben der Debatte Tiefe und Lebendigkeit. Die weiteren hochkarätigen Diskutanten waren die polnische Juristin und Projektleiterin bei der Stiftung Genshagen, Ryszarda Formuszewicz sowie Dr. Nils v. Redecker, Vortragender Legationsrat im Auswärtigen Amt, der sich besonders für eine aktive Rolle des Weimarer Dreiecks, gerade im Rahmen der aktuellen kontroversen Herausforderungen Europas, aussprach.


Im Anschluss an die Diskussion lag der Schwerpunkt auf der Vorstellung laufender und künftiger Projekte im Sinne des Weimarer Dreiecks am Beispiel von drei besonderen trilateralen Projekten zur Entwicklung einer wirklichen europäischen Bürgergesellschaft.

Herr Schill und Frau Neis vom Verein Europa DIREKT Dresden berichteten über den außerordentlich interessanten berufsbezogenen Jugendaustausch  am Beispiel eines deutsch-französisch-polnischen Projektes für Krankenpfleger/-innen in der Berufsausbildung ( www.sprachensommer.eu). Catherine Raoult und Monika Slowakiewiecz  sowie Chloé und Emmanuelle vom Grand méchant loup | Böser Wolf e.V. informierten über ihre vielseitige Arbeit zu dem Thema "Aus der Vergangenheit lernen, die Zukunft gestalten, Grenzen überwinden" www.boeser-wolf.schule.de | www.mechant-loup.schule.de Der Verein wurde mehrfach für seine trilaterale Medienarbeit für Kinder und Jugendliche in Polen, Frankreich und Deutschland ausgezeichnet und ist ebenfalls Weimarer-Dreieck-Preisträger 2014. "Zwischen Wrocław, München und Paris. Die internationalen Sommerschulen des Weimarer Dreiecks"  http://www.pdme.geschichte.uni-muenchen.de/veranstaltungen/index.html war das Thema von Jakub Sawicki, Doktorand der Ludwig-Maximilian-Universität München, Historisches Institut, Abteilung für Geschichte Ost-und Südosteuropa. Er referierte über die langjährige, sehr erfolgreiche wie beispielgebende deutsch-polnisch-fran zösische Sommerschule im Weimarer Dreieck zu jeweils aktuellen Themen.


Alle Teilnehmer und Gäste waren sich darin einig, dass der Verein Weimarer Dreieck e.V. gerade jetzt, wo die EU und ihre Mitgliedstaaten sich in einer existenziellen Debatte um die künftige Struktur und Zielsetzung der europäischen Integration befinden, besonders aufgefordert ist, sich einzubringen. Mit seinen trilateralen Projekten, die sehr praxisbezogen sind, ist die Bürgergesellschaft auf dem richtigen und einem zukunftsweisenden Weg. Nur dann, wenn die Möglichkeit der rechtlichen Rahmenbedingungen der Europäischen Union von Bürgerinnen und Bürgern auch tatsächlich genutzt werden, um eine solidarische und gemeinschaftlich aktiv verbundene Gesellschaft grenzüberschreitend zu entwickeln, hat das “Friedensprojekt Europa“ eine reelle Chance weiter zu bestehen und noch verbindlicher für alle zu werden.

Fotos: Luise Seeber/TLVB

Teilnahme des Vereins Weimarer Dreieck e.V. an der Bürgerdelegation in die Gedenkstätte Auschwitz zur Eröffnung der internationalen Wanderausstellung

„Industrie und Holocaust: Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“
 

Am 21. März 2017 reisten für das Weimarer Dreieck e.V. Dieter Hackmann, Vorsitzender und seine Frau Agata sowie Evelyn Ziegenrücker mit einer Bürgerdelegation nach Oświęcim.


Oświęcim liegt in der Woiwodschaft  Kleinpolen im südlichen Teil Polens, rund 50 km westlich der Woiwodschaftshauptstadt  Krakau. In der Zeit des Nationalsozialismus erlangte die Stadt als Standort für das Konzentrationslager Auschwitz unheilvolle Bekanntheit.


Zur Bürgerdelegation zählten auch der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Prof.Dr.-Ing. habil. Reinhard Schramm, Kulturdirektor Dr. Tobias J. Knoblich und der Vorsitzende des Förderkreises Erinnerungsort Topf & Söhne e.V. Rüdiger Bender.


Ziel der Reise war die Teilnahme an der Eröffnung der internationalen Wanderausstellung „Industrie und Holocaust: Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“ in der ehemaligen Wäschereibaracke im Stammlager und die Besichtigung der Gedenkstätten Auschwitz: Auschwitz-Birkenau und des Stammlagers. Halina Jastrzebska, die seit 37 Jahren Besucher durch diese Orte führt, begleitete die Gruppe aus Thüringen durch die Gedenkstätten. Die von ihr dargestellten Fakten und Abläufe überschritten in ihrer Dimension das Vorstellungsvermögen der Teilnehmer.

 

Bürgerdelegation
Bürgerdelegation.pdf
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Fotoquellen:  Erinnerungsort Topf & Söhne und Agata Hackmann

http://www.topfundsoehne.de/cms-www/index.php?id=75

Foto: Andy Faupel, v.li. n.re.: Gisela Hösch, Julia Miehe, Johannes Bock, Marc Sagnol

Würdigung von Raphael Elizé - Übergabe seines Portraits an die Kulturdirektorin der Stadt Weimar Julia Miehe

 

 https://de.wikipedia.org/wiki/Rapha%C3%ABl_%C3%89liz%C3%A9

Auf Initative von Dr. Johannes Bock wurde der Kulturdirektorin Julia Miehe im Namen des  Weimarer Dreieck e.V., dem Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar und der Gedenkstätte Buchenwald/Mittelbau Dora ein Portrait von  Raphael Elizé, des ersten dunkelhäutigen Bürgermeister Frankreichs, übergeben.Er gehörte zu den Opfern
des am 9. Februar 1945 erfolgten  brutalen Bombenangriffs auf Weimar. Infolge des unmenschlichen Handelns der SS waren hunderte KZ-Häftlinge und Deportierte dem Luftangriff in Weimar auf das Gustloffwerk und in der Nähe des Bahnhofs völlig schutzlos ausgeliefert und kamen ums Leben. Die Opfer kamen aus über 15 Ländern, darunter Verschleppte aus Polen, Frankreich, Ungarn, Lettland, Tschechien. Raphael Elizé steht dabei als Verschleppter und Zwangsarbeiter stellvertretend für die Opfer des deutschen Vernichtungskrieges in Weimar (Gedenkstein: Kreuzung Kromsdorfer Straße/Andersen-Straße). Ein besonderer Dank geht an die Stadt Weimar, die dieses ehrenvolle Gedenken in vielfacher Weise unterstützt.
Denn: Erinnern, Gedenken und Machen waren hier wieder die Gebote der Stunde.

"Hört die Zeugen - Überlebende des Holocausts berichten" - Ein Projekt des Weimarer Dreieck e.V. - zur Förderung der Erinnerungskultur zwischen Frankreich-Polen-Deutschland
 

Was bedeutet es für Überlebende des Holocausts, nach mehr als 70 Jahren darüber zu reden? Was ist ihnen wichtig, was soll bleiben, wenn sie eines Tages nicht mehr erzählen können?

In dem Tonaufnahme-Projekt  "Hört die Zeugen! " kommen Menschen aus Polen, Frankreich und Deutschland  zu Wort, aber auch aus Ungarn und Israel – Menschen, die Ghettos, Konzentrationslager, die Grausamkeiten der Nationalsozialisten überlebt haben.

Im Laufe der vergangen Monate sind viele Interviews mit Menschen entstanden, die als letzte Zeugen fungieren. Menschen, die von ihrer Kindheit, Jugend und vom Überleben in den Lagern der NS berichten.  Es sind berührende Aufzeichnungen, emotionale Annäherungen an das Thema „Täter und Opfer“ und es wird eine umfassende Reflektion  70 Jahre nach der Shoah sichtbar. Sicherlich gibt es viele Bücher, Filme und Tondokumente, in denen Überlebende zu Wort kommen. Doch kann es jemals genug geben? Ist jemals alles gesagt?

Zu den Personen, von denen hier Tonaufnahmen vorliegen, gehören:

Bertrand Herz (Frankreich)

Leopold Kozlowski-Kleinman (Polen)

Naftali Fürst (Israel)

Esther Bejarano (Deutschland)

Anne Aquenin (Polen, Frankreich)

Eva Pusztai (Ungarn).


Die Interviewten sprechen auch über die Gefährdung von Freiheit und Demokratie sowie Mitmenschlichkeit. Als Personen stehen sie exemplarisch für jenen Werteverlust, den eine Diktatur bedeutet.
Das Tonaufnahme-Projekt "Hört die Zeugen" leistet so gleichfalls einen Beitrag, das Andenken an die ermordeten Häftlinge in den Konzentrationslagern zu bewahren. Wichtig war vor allem der Erhalt und das Vermitteln der authentischen Stimmen , weil es sich um letzte noch lebenden Zeitzeugen handelt. Aus diesem Grund ist Erinnerungskultur für den Weimarer Dreieck Verein ein kostbarer Baustein, um eine friedliche trilaterale, vor allem aber demokratische Zukunft Europas mit den künftigen Generationen zu gestalten.

Der Weimarer Dreieck e.V. fühlt sich durch die tragische deutsche Geschichte besonders verpflichtet, die Erinnerungskultur wach zuhalten. Er kooperiert deshalb u.a. mit dem heutigen Erinnerungsort "Topf & Söhne", dem ehemaligen Hersteller von Öfen zur menschlichen Vernichtung u.a.im  KZ Auschwitz. Ein weiterer wichtiger Kooperationspartner sind die ACHAVA-Festspiele Thüringen.

Das CD-Set wird in limitierter Auflage Multiplikatoren, Archiven, Gedenkstätten, Museen und Bildungseinrichtungen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Vervielfältigung des umfangreichen Materials auf 3 CDs entstand mit freundlicher Unterstützung vieler engagierter Menschen und vor allem durch die Förderung des Freistaates Thüringen.

Ein herzliches Dankeschön gebührt jenen, die Auskunft geben über die dunklen Kapitel ihres Lebens und ein großer Dank geht an die Journalistin Blanka Weber für ihr ehrenamtliches Engagement.

booklet.pdf
PDF-Dokument [2.6 MB]

Aktuelles

„Deutschland und Polen entdecken“ - Illustrierte deutsch-polnische Landkarte
http://www.dpjw.org/

Sprachflyer „Französisch lernen – was sonst“

 

http://www.vdfg.de/sprache/

Sag was! Dis Moi! Powiedz coś!
Ein deutsch-polnisch-französischer Leitfaden zur Sprachanimation in trinationalen Begegnungen zum Herunterladen

 

Download

Die Sanierung des Rathauses der Stadt Weimar erfordert vorübergehend einen Ortswechsel für die Vereinssitzungen. Ab Januar 2015 finden bis auf Weiteres thematische Vereinssitzungen auf Einladung im Europäischen Informationszentrum in der Regierungsstr. 73 in Erfurt statt. Mitglieder und Interessierte sind stets herzlich eingeladen, an den thematischen  Sitzungen teilzunehmen und diese aktiv mitzugestalten.

Postanschrift:

Weimarer Dreieck e.V.
Postfach 2520
99406 Weimar

 

vorstand@weimarer-dreieck.org 

 

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